


Samuraihelm

Fotoportrait eines Samurai

Oda Nobutaga
von Gerd Bastiné
Mit fantastische Rüstungen, erschreckenden Masken, Heldenlegenden und ihrem rigiden Ehrenkodex fasziniert die Kriegerkaste der Samurai die Menschen weltweit bis heute. Die Gesellschaftsschicht der Samurai bestand rund 800 Jahre und prägte das Erscheinungsbild Japans in vielen Bereichen: Kampfkunst, Malerei, Kalligraphie, Gartenkunst und Blumenarrangement, Teezeremonie, Theater, Film, Comic, u.v.m.
1897 wurde der besondere gesellschaftliche Status der Samurai aufgehoben und ab 1882 waren alle rechtlichen Privilegien der Shizoku (Samuraifamilien) getilgt. Dies betraf rund 410.000 Samuraifamilien mit 1,8 Millionen Menschen, was ca. einem Fünftel der Bevölkerung entsprach. Die Samurai waren nun gezwungen, sich ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen und vermischten sich nach und nach mit den anderen Gesellschaftsschichten. Der Mythos blieb.
Die Ausstellung des Historischen Museums der Pfalz in Speyer bietet nun vielfach Gelegenheit, der wahren Geschichte der Samurai näher zu kommen. So schreiben Anton Schweizer und Miriam Stamme im Kapitel "Rauhe Kämpfer - sensibles Gemüt" des ausgezeichneten Katalogs zur Ausstellung:
"Der typische Krieger bleibt eine Kunstfigur. Fast immer ist seine Gestaltung ideologisch gefärbt und merklich von der hisorischen Wirklichkeit abgehoben. Die suggestive Bildsprache der Darstellungen wirkt jedoch bis heute nach."
Gleich zu Anfang der Ausstellung wird ein grober Überblick zum Thema geboten, um den Besucher dann über eine Brücke und durch einen stilisierten Bambuswald mit Blick auf eine Samurai-Rüstung in die im Halbdunkel gehaltenen Präsentationsräume hineinzuführen.
Die kostbaren Ausstellungsstücke werden in Speyer nicht einfach in Vitrinen und auf Sockeln präsentiert. Hier handelt es sich um eine aufwändig inszenierte Ausstellung, die viel Abwechslung und auch Interaktion bietet. Audio- und Videostationen, die auf die Ausstellung verteilt sind, geben zusätzliche Informationen zu den Texttafeln und Exponaten. Besonders positiv fiel mir der Film über die Geschichte der Samurai auf, der angenehm kurz war und es trotzdem schaffte, die wesentlichen Zusammenhänge zu vermitteln. Die Ausstellung gliedert sich in neun Bereiche, die der Besucher in dieser Reihenfolge als Rundgang durchwandert:
1. Ursprünge und Aufstieg
2. Ausbildung
3. Rüstungen
4. Waffen
5. Alltag und Freizeitgestalung
6. Frauen der Samurai
7. Philosophie, Kunst und Religion
8. Japan und Europa
9. Heute
Zur Ausstellung wird ein fest gebundener 263-seitiger Katalog, angeboten, der nicht nur die Ausstellungsstücke hervorragend abbildet, sondern zusätzlich mit 26 Aufsätzen von Fachleuten umfangreiches Hintergrundwissen zum Thema vermittelt. Zur Entstehung der Ausstellung finden sich auf der Website des Museums informative Hörbeiträge, Podcasts, die man sich herunterladen kann. Die zweieinhalb Stunden unseres Besuchs im Historischen Museum in Speyer, die Wissen, Erlebnis und Spaß brachten, lassen im Prinzip nur ein positives Fazit zu.
Sehr gut:
> Ausstellung
> Inszenierung
> Film über die Geschichte der Samurai: kurz und gut
> Katalog
> Podcast
Es fehlt:
> ausführlichere Darstellung der Kampfkunstschulen bis 1870 und danach
> Bezug zu den heutigen Budokünsten
> Integration der Kampfkunstübungen in den Alltag der Samurai
Museum zum Hören: Podcast
Text und Titelfoto © 2008 Gerd Bastiné für Takemusu Aiki Dojo Frankfurt
Fotos in der Seitenleiste:
1. Samurai, Keyvisual zur Ausstellung im Historischen Museum der Pfalz. Bei der Rüstung handelt es sich um den Nachbau einer Rüstung des berühmten Feldherrn Takeda Shingen aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhundert. Privatbesitz, © Historisches Museum der Pfalz Speyer, Foto: Hans-Georg Merkel
2. Helm mit Gesichtsmaske, sign. Myochin Muneakira, um 1720. Privatbesitz, © Historisches Museum der Pfalz Speyer, Foto: Peter Haag-Kirchner
3. Porträt eines Samurai, spätes 19. Jahrhundert, Völkerkundemuseum der Universität Zürich (das ist der Verwahrort. Das Bild ist rechtefrei)
4. Oda Nobutaka: der dritte Sohn des Reichseinigers Oda Nobunaga, in voller Rüstung kampfbereit. Blatt aus der Holzschnitt-Reihe "Taiheikieyû den" des Künstler Kuniyoshi (1798 - 1861), Privatbesitz (das Foto ist rechtefrei)