


Zusammengesetzt aus den Begriffen AI = Harmonie, KI = Energie und DO = Weg oder Philosophie bedeutet Aikido wörtlich “Weg der Harmonie”. Aikido ist Bestandteil der japanischen Weglehren und speziell des “Budo”, der Kategorie der Kampfkünste. Ziel einer solchen Weglehre ist immer die aktive Vervollkommnung in der jeweiligen Disziplin: "Der Weg ist das Ziel". In Verbindung mit geistigen Werten und Fähigkeiten (Harmonie, Einheit, Koordination und Integration) und der Einübung einer entsprechenden Haltung (Etikette) erhält der Weg Richtung und Sinn. Das Ideal des Aikido ist die Einheit von Körper, Seele und Geist (Ki-Shin-Tai) und die Aufhebung der Entfremdung von Mensch und Natur. Ohne Anspruch auf Vollkommenheit und Engültigkeit seines Weltmodells begrüßt der Aikidoka jedoch in der realen Praxis Unvollkommenheiten und Schwierigkeiten als notwendigen und unverzichtbaren Teil des Lebens.
Die Philosophie des Aikido ist urprünglich beeinflusst von Taoismus, Konfuzianismus, Zen-Buddhismus, Shintoismus, der japanischen Omoto-Religion und vom japanischen Bushido und wird in Aikidoschulen inzwischen in den unterschiedlichsten religiösen, esoterischen und weltlichen Ausformungen dem Unterricht zugrunde gelegt.
Im “Takemusu Aiki Dojo Frankfurt” wird eine aufgeklärte und humanistische Haltung ohne religiöse Bezüge bevorzugt, die offen ist für diejenigen kulturellen asiatischen Inhalte, die für Westeuropäer verstehbar und anwendbar sind. Zusätzlich werden Elemente aus der abendländischen Philosophie unter dem Aspekt einer zeitgenössischen Lebenskunst integriert.
Das “Takemusu Aiki Dojo Frankfurt” bietet eine zeitgemäße Konzeption des Aikido: ein Budo-Angebot für Erwachsene im Sinne einer selbstbestimmten Persönlichkeitsbildung. Aikido ist zunächst eine Kampfkunst, jedoch im erweiterten Sinn eine praktische Philosophie der Lebenskunst. Überträgt man die Prinzipien des Aikido auf den privaten Alltag oder auf den beruflichen Bereich, können diese sowohl auf der Ebene der Kommunikation als auch im wirtschaftlichen Management zur Lösung von Konflikten oder zur Entwicklung von Strategien Anwendung finden.
Verstand und Vernunft schenken uns zwar die Fähigkeit zur wissenschaftlichen, objektiven Erkenntnis, fordern jedoch hierfür eine Trennung von Subjekt und Objekt und erzeugen somit notwendigerweise ein Gefühl der Distanziertheit und Fremdheit gegenüber der Welt. Aikido ist nun eine Methode, mittels bestimmter geistiger, seelischer und körperlicher Techniken Einheit zu erfahren und aus dem Erlebnis dieser Einheit heraus, vorhandene Energien miteinander zu verbinden, um diese zur Gestaltung einer bestimmten Situation und letztendlich des Lebens im Sinne einer übergeordneten Ethik zu nutzen. Aikido bietet der Seele des modernen Menschen eine Möglichkeit, sich in der Welt zuhause statt fremd zu fühlen.
Inhalte und Methoden beruhen im Allgemeinen auf
A. einem zweifachen Weltbild:
B. einer aus diesem zweifachen Weltbild entwickelten wert- und sinnorientierten Ethik und deren Prinzipien.
C. auf dem Prozess von Erfahrung - Erkenntnis - Wissen - Können - Wollen - Handeln.

In unserem Training orientieren wir uns an der traditionellen Aikidoform von Morihiro Saito Sensei (Japan).
Morihiro Saito Sensei (1928 - 2002) war seit 1946 direkter Schüler von O-Sensei Morihei Ueshiba in Iwama. Er lebte über 23 Jahre an O-Sensei's Seite und übernahm nach dessen Tod 1969 die Leitung des Ibaraki Dojo in Iwama. Zusätzlich hielt er Seminare in allen Teilen der Welt und publizierte mehrere einzigartige Bücher mit Aikidotechniken. Saito Sensei sah es als seine wichtigste Aufgabe an, O-Sensei's Aikido unverändert weiterzugeben.
PROGRAMM
Aikido ist ganzheitliches Üben und umfasst
Bujutsu: das Erlernen und die Pflege der Kampftechniken
Bushin: das Training der geistigen Kräfte
Budo: eine humanistische Philosophie und Ethik und ihre Anwendung
Das Programm der Aikidotechniken wird unterteilt in
Aiki Tai Jutsu: Verteidigung gegen körperliche Angriffe
Tanto dori: Entwaffnen: "Messer nehmen"
Aiki Ken Jutsu: Schwertkampf
Tachi dori: Entwaffnen: "Schwert nehmen"
Aiki Jo Jutsu: Stockkampf
Jo dori: Entwaffnen: "Stock nehmen"
Ken Tai Jo: Stock gegen Schwert
Ukemi: Techniken des Fallens
Reigi: Etikette
Unser Training ist immer anfängerorientiert. Fortgeschrittene trainieren mit Anfängern zusammen, so dass Anfänger schnell stark werden; Männer und Frauen, Ältere und Jüngere trainieren zusammen.
Schwerpunkt des Trainings ist das Bemühen um Wahrnehmung, Beherrschung und Lenkung der inneren und äußeren Kräfte. Die (angenommene) Situation, von einem oder mehreren Angreifern bedroht zu werden, wäre im Alltag eine Extremsituation und ist deshalb als Ausgangspunkt für ernsthaftes Üben bestens geeignet. Die Elemente Aufmerksamkeit, Wachheit, Konzentration, innere Ruhe, Gelassenheit, Entschlusskraft, Wille, etc. werden trainiert.
Ein weiterer Aspekt des Trainings ist es sich selbst in seinem Denken, Fühlen und Handeln immer wieder in Frage zu stellen, Unfähigkeiten und festgefahrene Verhaltensmuster zu entdecken und sich im Gegenzug für Neues und neue Ansichten zu öffnen, flexibler zu werden und die eigenen Grenzen immer wieder zu erweitern.
Risiken und Nebenwirkungen
Das Risiko einer Verletzung ist im Vergleich zu vielen anderen Sportarten gering. Die Nebenwirkungen von Aikido sind allerdings erheblich. Vor allem in der Anfangsphase wird sich der Körper doch sehr zerschlagen anfühlen. Immer wieder wird man feststellen müssen, dass einen Körperregionen schmerzen, von denen man bisher noch nie etwas wahrgenommen hat. Sehnen, Bänder und Gelenke werden stark beansprucht, was wiederum eine Kräftigung zur Folge hat.
Durch die beständige Konzentration auf das körperliche Gleichgewicht, wird man mit der Zeit vielleicht auch eine Stabilisierung des psychischen Gleichgewichtes im Alltag bemerken.
Aikido schließt kurzfristige Erfolge aus, ist im Gegenteil gerade zu Beginn für die meisten eine eher mühselige und frustrierende Angelegenheit. Deshalb ist Aikido vor allem für Menschen geeignet, die in der Lage sind, auf lange Sicht zu trainieren.
Text: © Gerd Bastiné, 2003 - 2009